Geschichten, die das Leben schreibt

Eine ehemalige Angestellte berichtet …

historieIrmgard Haller (79) erzählt wie Sie drei Inhaber und drei Generationen erlebte: „Ja, das waren noch Zeiten – damals. Ein Schlitzohr war er, streng aber immer gerecht“, so beschreibt Irmgard Haller ihren langjährigen Chef Franz Schregle, dem damaligen Inhaber des Freiburger Lederwaren-Hauses. Und das waren wohl auch die wichtigsten Eigenschaften um als Unternehmer die Kriegswirren überstehen zu können.

Die Zeiten waren anders: Der Handel war weniger damit beschäftig Kunden zu finden, denn wer Ware hatte, der hatte auch die Schlangen vor dem Ladentresen. Die Bezugscheine vom Wirtschaftsamt waren damals die Währung und Soldaten die Kunden. Wenn mal ein Wagon Lederkoffer aus Heidelberg am Güterbahnhof verfügbar war, halfen sich die Kriegsverkaufsgemeinschaften gegenseitig. So durfte Familie Schregle mit Lehrling „Irmgard“ eben jene Koffer an einer improvisierten Theke im Hause „Schafferer“ verkaufen. Im eigenen Provisorium war dazu kein Platz.

Das Sortiment war sehr begrenzt: Koffer, Rucksäcke, Taschen. Zunächst klingt das wie heute, allerdings mit dem Unterschied, dass es immer nur ein Modell gab. Das erste Geschäft wurde mit „Planen-Taschen und -Rucksäcken“ gemacht. Produziert wurden diese damals noch in Freiburg. Die Firma Gugel nähte aus Militärplanen Rucksäcke und Taschen. Praktisch und stabil, das waren die wichtigsten Produkteigenschaften, Mode war Nebensache.

Die Wege waren lang: Der „Lieferservice“ in Freiburg wurde mit dem Leiterwagen erledigt, der abends im Behelfsladen von „Bollerers“ untergestellt wurde. Das Lager war im Ibental bei Kirchzarten, wo „Schregles“ auch wohnten. Zum Lieferanten in Gundelfingen fuhr Irmgard Haller mit dem Zug und zurück musste Sie per Anhalter – es fuhr nur ein Zug am Tag. Aber die Menschen halfen sich noch gegenseitig und so hat es auch gut funktioniert. Als Irmgard Haller 1943 Ihre Lehre begann, gehörten Arbeiten wie Kohle schippen oder den Laden putzen zum normalen Ausbildungsinhalt. Die „Azubis“ hießen noch „Stift“ oder bestenfalls „Lehrling“. Und Lehrjahre sind ja schließlich keine Herrenjahre.
Es waren harte Zeiten: Die Nacht verbrachte man im Luftschutzkeller und den Tag an der Verkaufstheke.

Als der Krieg dann endlich zu Ende war, musste sich Franz Schregle (wie viele andere Männer damals) erst mal absetzten. Und so fuhr er mit dem Fahrrad zum Bruder ins Allgäu, während seine Frau Elisabeth Schregle das Geschäft weiterführte. Sie war die gute Seele im Leder Haus und bei den Mitarbeitern sehr beliebt. Was Franz Schregle mit Disziplin und Strenge nach vorne trieb, egalisierte Elisabeth Schregle durch Ihre Güte.

In der Nachbetrachtung zeigte sich Franz Schregle als äußerst weitsichtig, als er 1945 den geplanten Umzug nach Kirchzarten kurzfristig abblies, obwohl der Laden schon fix und fertig gerichtet war. Er bevorzugte den Standort Freiburg, damals noch am Schwabentor. Erneut zeigte sich seine „Schlitzohrigkeit“ 1949 mit der Entscheidung nicht wieder an den Friedrichring zurück zu gehen. Und so bezog das Freiburger Lederwaren-Haus den heutigen Standort im Bursengang an der Rathausgasse, die damals noch Eisenbahnstrasse hieß und befahren war. Von den damaligen Erstbeziehern des Bursengangs gibt es heute nur noch das ebenso traditionsreiche Geschäft „Blumen Meyer“.

Franz und Elisabeth Schregle führten das zunehmend moderner werdende Unternehmen bis ins Jahr 1970. Dann übernahm Tochter Rosmarie Niemann die Geschäftsführung. Sie begann nun kontinuierlich das Ladengeschäft und das Warensortiment zu modernisieren. Mode wurde schnelllebiger, kompetente Beratung der Kunden und Markenorientierung wurden immer wichtiger. Deshalb hatte Rosmarie Niemann den „70ern“ auch genüge getan und 1978 das Geschäft modern umgebaut.
Mit dem Schrecken kam Sie davon als 1980, beim Brand im Bursengang, das Freiburger Leder Haus verschont blieb.
1988 konnte Sie die Räume der „Schwarzwald Industrie“ übernehmen und erweitert den Laden auf 250 m².

Das Freiburger Leder Haus zeigt sich dem Kunden heute, unter der Geschäftsführung von Carolin Niemann (geb. 1967), modern und zeitgemäß. Von weiterhin klassisch bis flippig und trendy umfasst das Sortiment neben den traditionellen Waren wie Koffer und Taschen überwiegend Accessoires. Ob Schals, Handtasche, Geldbeutel oder Schlüsselanhänger, modebewusste Individualisten finden hier garantiert und gut beraten ihr Outfit. Mit der jungen Geschäftsführung wurden auch die Kunden jünger. Markenprodukte und Accessoires in modischen Farben füllen die Regale.

Auch Carolin Niemann fühlt sich der Tradition verpflichtet. Sie legt größten Wert auf Dienstleistung und Beratung. So wurde im Jubiläumsjahr die „Leder Haus Card“ eingeführt. Neben einer ganzen Reihe von kostenfreien Zusatzleistungen, erhält der Card Inhaber einen Preisvorteil auf seine Einkäufe.

Das Firmenjubiläum wurde im Freiburger Leder Haus mit attraktiven Überraschungen gebührend gefeiert.
– Irmgard Haller, machte Ihre Kaufmannsprüfung 1949 an der Lessingschule. Danach hatte Sie selbst über 100 Auszubildende „unter sich“, bis Sie im Jahr 2000 nach 57 Jahren Betriebszugehörigkeit ausschied, erzählt Sie und hält stolz Ihre „Straußenleder Tasche“ auf dem Schoß. Auf Nachfrage sagt Sie: „Ja, die ist unverwüstlich“ – auch als Rentnerin im Herzen noch immer „Verkäuferin von Lederwaren“.

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